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PAM

Privilegierte Zugänge absichern: PAM einfach erklärt

Ein gestohlenes Passwort. Ein einzelnes, kompromittiertes Administrationskonto. Mehr braucht es oft nicht, damit sich Angreifer Zugang zu einer ganzen IT-Umgebung verschaffen, im schlimmsten Fall gleich zu den Systemen mehrerer Unternehmen auf einmal. Dieser Beitrag zeigt, warum privilegierte Konten so wertvoll sind, was bei einem kompromittierten Zugang tatsächlich passieren kann und worauf Sie bei der Absicherung, auch bei der Wahl Ihres IT-Dienstleisters, achten sollten. 

Kurz gesagt: Privileged Access Management (PAM) ist ein Sicherheitsansatz, der administrative Zugänge zentral verwaltet, schützt und protokolliert, um deren Missbrauch zu verhindern.

Noah Padula, Cyber Security Engineer bei Netrics  

Noah Padula, Cyber Security Engineer bei Netrics,

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PAM: Der Generalschlüssel zur IT

Normale Benutzerkonten geben Zugriff auf das, was für den jeweiligen Job nötig ist, nicht mehr. Privilegierte Konten sind administrative Zugänge mit  eitreichenden Berechtigungen, vergleichbar mit einem Generalschlüssel, der nicht nur ein Büro öffnet, sondern das ganze Gebäude. Wer ein solches Konto  kompromittiert, erhält potenziell Zugriff auf die gesamte Infrastruktur statt auf einen einzelnen Arbeitsplatz, genau das macht privilegierte Zugänge zum bevorzugten Ziel von Angreifern. 

Privilegiert sind dabei nicht nur menschliche Konten: Auch Service-Konten, Cloud-Rollen und API Schlüssel verfügen oft über weitreichende Rechte. Für Managed-Service-Provider gehört deren Absicherung ebenso zu einem vollständigen PAM-Konzept. 

Warum ein klassisches Passwortkonzept nicht ausreicht

Ein privilegiertes Konto wird nicht zwingend als Erstes kompromittiert. Angreifer verschaffen sich häufig zunächst über ein normales Benutzerkonto, eine Sicherheitslücke oder ein unzureichend geschütztes System Zugang zu einer Umgebung und versuchen anschliessend, ihre Berechtigungen auszuweiten. 

Viele Unternehmen verwalten administrative Zugänge dabei nach wie vor über einfache Passwortlisten oder gemeinsam genutzte Administrationskonten. Im direkten Vergleich zeigt sich, wo die Schwachstellen liegen: 

Kriterium Klassisches Passwortkonzept PAM-Ansatz
Zugriffsdauer Rechte bleiben oft dauerhaft bestehen Just-in-Time, nur für die benötigte Dauer
Kontonutzung Oft geteilte Administrationskonten Jeder Zugriff einer Person eindeutig zugeordnet
Nachvollziehbarkeit Keine zentrale Protokollierung Lückenlose Protokollierung, bei Bedarf Sitzungsaufzeichnung
Passwortspeicherung Teils im Klartext oder mehrfach verwendet Verschlüsselt im digitalen Tresor, automatisch rotiert
Freigabe bei sensiblen Zugriffen In der Regeln nicht vorgesehen Zusätzliches Vier-Augen-Prinzip möglich
Entzug im Ernstfall Manuell, oft verzögert Zentral und sofort möglich

 

Was bei einem kompromittierten Provider-Zugang passieren kann

Greift ein IT-Dienstleister mit administrativen Rechten auf Kundenumgebungen zu, wird dieser Zugang selbst zum Angriffsziel, ein bekanntes Lieferketten- oder Supply-Chain-Risiko. Auch die US-Behörde CISA warnt gemeinsam mit internationalen Partnerbehörden, dass Managed-Service-Provider zunehmend als Einstiegspunkt genutzt werden, um mehrere Kundenumgebungen gleichzeitig zu kompromittieren.

Ein Beispiel: Erbeuten Angreifer per Phishing-Mail die Zugangsdaten einer einzelnen administrierenden Person, genügt dieser eine Zugang oft, um sich Zugriff auf mehrere Kundensysteme zu verschaffen. Ohne Einschränkungen bei Zeitraum, Umfang und Nachvollziehbarkeit bleibt ein solcher Missbrauch mitunter 
wochenlang unentdeckt, mit entsprechenden Folgen für Datensicherheit und Betrieb. 

Wie PAM diese Risiken reduziert

Privileged Access Management setzt genau an diesen Schwachstellen an. Statt Passwörter dezentral zu verwalten oder Zugänge dauerhaft offen zu halten, laufen privilegierte Zugriffe über eine zentrale, geschützte Schicht. Plattformen wie Idira gehören zu den führenden Lösungen in diesem Bereich. Ein wirksames PAM
Konzept beruht auf mehreren Prinzipien: 

  1. Geschützte Zugangsdaten (digitaler Tresor)
    Passwörter und Schlüssel werden verschlüsselt in einem zentralen, digitalen Tresor gespeichert, dem sogenannten Vault. Sie werden automatisch regelmässig ausgetauscht und nie im Klartext weitergegeben. Damit verlieren gestohlene oder abgefangene Zugangsdaten ihren Wert, bevor sie missbraucht werden können.

  2. Eindeutig zugeordneter Zugriff mit Mehrfaktor-Authentifizierung
    Jeder privilegierte Zugriff ist einer konkreten Person zugeordnet, autorisiert und jederzeit nachvollziehbar. Der Zugang zur Plattform selbst wird zusätzlich durch Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA) abgesichert. Anonyme oder geteilte Administrationskonten sind aus Sicherheitssicht ein Risiko, das sich damit vermeiden lässt.

  3. Freigabeprozesse für sensible Zugriffe
    Bei besonders sensiblen Zugriffen kann eine zusätzliche Freigabe durch eine berechtigte Person verlangt werden, bevor der Zugriff überhaupt gewährt wird. So bleibt auch bei kritischen Systemen ein Vier-Augen Prinzip gewahrt.  

  4. Isolierte Sitzungen 
    Die Verbindung zur Zielumgebung läuft über eine zwischengeschaltete, geschützte Schicht statt direkt vom Rechner des Administrators zum Zielsystem. Die eigentlichen Zugangsdaten verlassen den digitalen Tresor zu keinem Zeitpunkt, selbst die administrierende Person sieht das Passwort nie im Klartext. Das ist vergleichbar mit einem Concierge, der eine Tür öffnet, ohne den Generalschlüssel auszuhändigen.

  5. Lückenlose Nachvollziehbarkeit Sämtliche privilegierten Zugriffe werden protokolliert, bei Bedarf inklusive vollständiger Sitzungsaufzeichnung. Das schafft Transparenz und unterstützt Compliance-Anforderungen wie ISO 27001.

  6. Least Privilege & Just-in-Time Zugriff wird gezielt auf das Nötige beschränkt und nur für die tatsächlich benötigte Dauer vergeben, ein Prinzip, das auch das US-amerikanische NIST als Beschränkung von Zugriffsrechten auf das notwendige Minimum definiert. Dauerhafte, breit angelegte Administrationsrechte gehören damit der Vergangenheit an.

  7. Zentrale Steuerung 
    Alle Zugänge lassen sich zentral verwalten und im Bedarfsfall, etwa bei einem Sicherheitsvorfall oder Personalwechsel, unmittelbar anpassen oder entziehen.  

Wichtig für die Einordnung: PAM kann nicht jeden Cyberangriff verhindern. Es reduziert jedoch gezielt die Risiken, die durch unkontrollierte, dauerhaft verfügbare und nicht nachvollziehbare administrative Zugänge entstehen.

Wie Netrics eigene Zugriffe absichert

Netrics setzt dieses Prinzip bei der eigenen Administration von Kundenumgebungen konsequent um: 
Mitarbeitende authentifizieren sich an der Idira-Plattform, von dort läuft eine isolierte, protokollierte Sitzung zur Kundenumgebung. Die Zugangsdaten verlassen den digitalen Tresor nie, auch nicht während der Sitzung. Je nach Umgebung erfolgt die Anbindung über eine gesicherte Netzwerkverbindung oder eine dedizierte, minimal berechtigte Cloud-Schnittstelle, ohne zusätzliche Software-Installation auf Kundenseite. 

Wichtig: Dieses Vorgehen sichert nur die Zugriffe von Netrics ab, nicht automatisch die Konten des Kunden oder Zugänge weiterer Drittanbieter, diese gehören in ein eigenes PAM-Konzept.

Idira ist Teil eines umfassenderen Sicherheitsansatzes, mehr dazu finden Sie auf unserer Security-Seite

Was der Kunde davon hat

Für Sie als Kunde heisst das: weniger Risiko durch die gezielte Absicherung des Dienstleister-Zugangs, nachvollziehbare Administration statt anonymer Zugriffe, Unterstützung bei Audits wie ISO 27001 sowie die Möglichkeit, Zugriffe im Bedarfsfall sofort zu entziehen. 

So finden Sie die richtige PAM-Lösung

Nicht jede PAM-Lösung passt gleich gut zu jedem Unternehmen. Ob Sie selbst evaluieren oder die Fragen direkt an Ihren IT-Dienstleister richten, diese Kriterien sollten Sie prüfen: 

  • Werden administrative Zugriffe persönlichen Identitäten zugeordnet, statt geteilter Konten?

  • Deckt der Schutz auch Service- und Automationskonten ab, nicht nur menschliche Zugriffe? 

  • Sind Mehrfaktor-Authentifizierung und zeitlich begrenzte, Just-in-Time-Berechtigungen vorgeschrieben? 

  • Werden Zugangsdaten zentral geschützt, automatisch geändert und Sitzungen protokolliert?

  •  Wie werden Notfallzugriffe, Drittanbieter-Zugänge und der Entzug von Berechtigungen geregelt? 

  •  Lässt sich die Lösung in Ihre IT-Umgebung integrieren (On-Premises, Cloud oder hybrid) und unterstützt sie Standards wie NIST SP 800-53 oder ISO 27001? 

Für viele kleinere und mittlere Unternehmen lohnt sich der Aufbau einer eigenen PAM-Infrastruktur wirtschaftlich kaum. Häufig ist es sinnvoller, einen Managed-Service-Provider zu beauftragen, der PAM bereits als Teil der eigenen Sicherheitsarchitektur einsetzt, wie im vorherigen Abschnitt beschrieben.

Was ist Privileged Access Management (PAM)?

Was ist Privileged Access ManagePAM ist ein Sicherheitsansatz, der administrative Zugänge zentral verwaltet, verschlüsselt speichert und lückenlos protokolliert, um Missbrauch privilegierter Konten zu verhindern. ment (PAM)? 

Betrifft PAM nur menschliche Administratoren?

Nein. Auch Service-, Applikations- und Automationskonten verfügen oft über weitreichende Berechtigungen und gehören in ein vollständiges PAM-Konzept.

Ersetzt PAM die Mehrfaktor-Authentifizierung?

Nein, beide ergänzen sich. Mehrfaktor-Authentifizierung stärkt die Überprüfung der Identität. PAM kontrolliert zusätzlich, auf welche Systeme eine Person zugreifen darf, wie lange der Zugriff gilt und wie die Sitzung durchgeführt und dokumentiert wird. 

Schützt das PAM eines IT-Dienstleisters auch die Konten des Kunden?

Nicht automatisch. Ein PAM-Service für Dienstleister-Zugriffe schützt zunächst die privilegierten Zugänge des Dienstleisters. Konten des Kunden und Zugänge weiterer Partner müssen separat betrachtet werden. 

Wie unterstützt PAM die Einhaltung von ISO 27001?

Durch lückenlose Protokollierung und Nachvollziehbarkeit aller privilegierten Zugriffe, die als Nachweis im Rahmen von Audits dient. Die Einführung von PAM allein bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sämtliche Anforderungen der Norm erfüllt sind. 

  • Klassische Passwort­konzepte reichen nicht mehr aus

    Dauerhafte Rechte, geteilte Konten und fehlende Nachvollziehbarkeit machen Zugänge angreifbar. Ein einzelner kompromittierter Zugang kann weitreichende Folgen haben.

  • PAM reduziert dieses Ri­siko gezielt

    Digitaler Tresor, persönliche Zuordnung, Freigabeprozesse und Just-in-Time-Zugriff senken die Angriffsfläche spürbar, für menschliche wie auch für Service-Konten.

  • Die richtige Frage an den IT-Dienstleister

    Wer IT-Administration auslagert, sollte gezielt nachfragen, wie der Dienstleister seine eigenen privilegierten Zugriffe auf die Kundenumgebung absichert.