FinOps hat sich in den vergangenen Jahren als Framework im Cloud-Bereich etabliert. Könnten Sie nochmals erläutern, für was genau FinOps im Kontext von Microsoft Cloud Services steht?
Thiago Pfiffner: FinOps im Kontext von Microsoft Cloud Services bedeutet, Cloud Kosten aktiv zu steuern, transparent zu machen und kontinuierlich zu optimieren – stets in enger Abstimmung zwischen IT, Finance und Business. Konkret geht es also nicht nur darum, einfach nur Kosten zu senken, sondern darum, den maximalen Geschäftswert aus Azure und Microsoft 365 herauszuholen.
Und wie lässt sich dieser Anspruch praktisch umsetzen?
Die Umsetzung umfasst drei zentrale Ebenen. Erstens müssen Unternehmen Transparenz schaffen und verstehen, wofür sie genau zahlen. Und das über alle Services hinweg. Dieser Schritt erfolgt über sauberes Tagging, eine klare Kostenstellen-Zuordnung und Reports.
Im nächsten Schritt gilt es, die ermittelten Kosten aktiv zu optimieren. Dafür gibt es typische Hebel wie beispielsweise das Right-Sizing von Ressourcen in Azure, den Einsatz von Reserved Instances und Savings Plans, die Eliminierung ungenutzter Ressourcen sowie die Optimierung von M365-Lizenzen.
Abschliessend müssen Unternehmen dann Governance und Prozesse stabilisieren. Denn wichtig ist es zu verstehen, dass FinOps kein einmaliges Projekt ist, sondern ein laufender Prozess. Dazu gehören
klare Richtlinien beispielsweise über Policies und Budgets, die Automatisierung von Kostenkontrollen sowie nicht zuletzt regelmässige Reviews und Forecasts.
Wie würden Sie also die zentrale Zielsetzung von FinOps zusammenfassen?
FinOps verbindet technische Entscheidungen direkt mit finanziellen Auswirkungen. So können Unternehmen letztlich schneller, fundierter und wirtschaftlicher entscheiden. Kurz gesagt: FinOps macht Cloud-Kosten steuerbar und verwandelt sie von einem Risiko in einen messbaren Business-Mehrwert.
Warum sind diese Massnahmen in erster Linie notwendig? Warum scheitern so viele Unternehmen an tatsächlicher Kostenkontrolle?
Einer der ausschlaggebenden Punkte ist die fehlende Transparenz. In vielen Unternehmen sind die Kosten im Cloud-Bereich nicht sauber zugeordnet, es fehlen Tags, klare Verantwortlichkeiten oder auch eine Trennung nach Projekten und Business Units. Ohne diese Basis weiss aber niemand genau, wer welche Kosten verursacht. Dazu gehört auch eine nicht klar zugeordnete Ownership. Denn wenn niemand für Kosten verantwortlich ist, entstehen unkontrollierte Ausgaben.
Darüber hinaus gehen viele Unternehmen davon aus, dass Cloud per se Kosten spart. Das kann aber ein Trugschluss sein. Denn in der Realität ist die Cloud nur dann effizient, wenn sie aktiv gemanagt wird. Ohne sie zu steuern, wird sie oft sogar teurer als On-Prem.
Vielen Unternehmen fehlt dieses aktive Management?
Genau, häufig gibt es keine klaren Vorgaben zu Architektur, Skalierung oder Lifecycle. Daraus ergeben sich überdimensionierte Ressourcen, ungenutzte Services oder wild gewachsene Umgebungen. Arbeiten IT, Finance und Business zudem getrennt – ist FinOps also
nicht etabliert –, fehlt ein gemeinsames Verständnis für das Verhältnis von Kosten und Nutzen, Forecasting und kontinuierliche Optimierung.
Statt dieser ganzheitlichen Perspektive liegt der Fokus stattdessen häufig primär auf der Technik. Architektur- und Betriebsentscheidungen werden ohne die Bewertung der finanziellen Auswirkungen getroffen. Unter dem Strich ist also nicht die Cloud das Problem, sondern fehlende Struktur, Prozesse und Verantwortung im Umgang mit ihr.