Pascal Schmid 16.08.2017 11 min read

Pascal Hayoz von netrics nimmt die Herausforderung an: Tortour Switzerland 2017 – das grösste Nonstop-Ultracycling-Event der Welt

Die TORTOUR ist das grösste mehrtägige Nonstop-Ultracycling-Event der Welt! In nur zwei Tagen versuchen die Rennfahrer 1’000 Kilometer und rund 13’000 Höhenmeter über mehrere Alpenpässe rund um die Schweiz zu meistern – Tag und Nacht. Start und Ziel des zweitägigen Rennens am 18. und 19. August 2017 ist Schaffhausen am Rheinfall.

Dieser knallharten Herausforderung stellt sich auch Pascal Hayoz, COO der netrics AG, in diesem Jahr zum 3. Mal. Der begeisterte Ausdauersportler wird alles daran setzen, die Tortour zu überstehen und mit einzigartigen Emotionen die Zielgerade zu passieren. Wir sind stolz, ihn im Team zu haben und unterstützen sein Vorhaben auf ganzer Linie – mental und durch Sponsoring.

Rennstart: Freitag, 18.08.2017 um 00.30 Uhr!

Was treibt Pascal zu so einer sportlichen Leistung an? Wie läuft das Training ab? Was spielt sich in seinem Kopf ab, vor diesen zwei Tagen, die ihm alles abverlangen werden? Das erfahren Sie in diesem Interview – aus der Sicht des Rennfahrers:

Die Vorbereitung

Was hat Dich dazu bewogen, diese „Tortour“ mitzumachen – damals beim ersten Mal und nun dieses Jahr?

Meine Faszination gilt dem Ausdauersport, schon seit 15 Jahren. Das ist der stärkste Beweggrund. Die Tortour ist ein Einzelrennen, aber ich habe auch schon andere harte Rennen mitgemacht. Ein besonderer Reiz liegt im Verschieben von Leistungsgrenzen und darin, zu erfahren, wo meine Grenze liegt. Mit der Zeit wird man danach richtig süchtig. Das Gefühl kann man nicht beschreiben, man muss es erleben!

Vor zwei Jahren musste ich das Rennen abbrechen. Ein Todesfall in der Familie setzte mentale Grenzen, und in der zweiten Nacht führte ein Sekundenschlaf zu einer extrem gefährlichen Situation. Dieses Jahr fahre ich die Tortour sozusagen als eine Art persönliche Revanche.

Wie gestaltete sich die Vorbereitung auf die Tortour?

Ich unterscheide 3 Bereiche: Training, Team und Logistik.

Am 16. Dezember habe ich mit dem Training begonnen. Zunächst mit Fokus aufs Grundlagentraining, spezifisch das Training auf Rolle inhouse. Im Frühling ging‘s dann in die Toskana für eine Trainingswoche, dort fährt man 150 km stetig nach oben und bis zu 200 km pro Session und Tag abwärts. Im Anschluss folgten Langstreckentrainings von mehreren Stunden.

Bei einem Vorhaben wie der Tortour ist es wie auch im Geschäftsleben enorm wichtig, ein gutes Team im Rücken zu haben. Der Team-Mix muss stimmen, um maximale Unterstützung zu erhalten. Das ist eine grosse Herausforderung.

Dann muss natürlich auch die Logistik funktionieren. Fahrzeuge und Material müssen besorgt werden. Man muss entscheiden, welche Navigation, welche Tools eingesetzt werden. GPS Tracks, Navigation mit iPads, Funkgeräte, Ersatzmaterial. Hotels und Unterkünfte müssen ebenfalls organisiert werden, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.

Ernährung ist ein grosses Thema, speziell vor so einem Rennen. Was sind die wichtigsten Punkte, die Du hier berücksichtigt hast/berücksichtigen musst?

Ich bin definitiv kein Fan von Ernährungsplänen. Was der Körper vor allem bei solchen Rennen und Anstrengungen verlangt, sind Kohlenhydrate. Ich liebe Schokolade, und auch ein Glas Wein bei einem guten Essen lass ich mir nicht nehmen – allerdings nur bis 3 Wochen vor dem Rennen, dann ist damit Schluss. Auch auf Kaffee muss ich Wochen vor dem Rennen verzichten – das ist für mich als leidenschaftlicher Kaffeetrinker echt hart.

Dann folgt ein enormes Carbo Loading: Der Kohlenhydrate-Speicher muss 1 Woche vor dem Rennen randvoll gefüllt werden. Während des Rennens steht dann Maltodextrin-Kohlenhydratpulver auf natürlicher Basis auf dem „Speiseplan“ – morgens, mittags und abends.

Das Team

Ohne das Team im Background geht nichts, oder fast nichts. Was für Rollen und Aufgaben haben die Team-Mitglieder?

Die Rollen der erfahrenen Team-Mitglieder sind im Follow Car klar aufgeteilt: Zuständigkeit Fahrt, Navigation und Betreuung Athlet. Einer fährt, der zweite behält die Navigation im Auge, und der dritte betreut rund um die Uhr den Rennfahrer. Und der Crew Chef – Exception Management – spielt eine sehr wichtige Rolle: Er übernimmt teilweise die Entscheidungen für den Rennfahrer ab der 2. Hälfte des Rennens, da ab dann die Vernunft und das klare Denken des Athleten oft wortwörtlich auf der Strecke bleiben. Dafür werden im Vorfeld klare Regeln definiert.

Wichtig war für mich auch, dass bei der Zusammensetzung des Teams eine Frau mit an Bord ist. Frauen haben eine andere Sensorik, wenn es etwa darum geht, wie dem Athleten in einer schwierigen Situation geholfen werden kann. Die Fürsorge steht bei Frauen an erster Stelle.

Die Gesundheit

Hauptsache gesund – ein gängiges Motto. Wie steht‘s um Deine physische Fitness? Welchen ärztlichen Tests musstest Du Dich unterziehen?

Ich fühle mich physisch sehr gut, die Fitness ist top! Der Ruhepuls liegt bei knapp 40 und der Fettgehalt ist massiv reduziert – er hat sich um die 8% des Körpergewichts eingependelt. Selbstverständlich ist ein Check Up ein Muss und ein Belastungs-EK habe ich beim Sportarzt ebenfalls durchgeführt. Ein sogenanntes sportliches CV muss an die Tortour gesendet werden.

Erholungsphasen sind wichtig bei Velorennen. Wie sehen Deine Erholungsphasen aus?

Ich lege während der Vorbereitung einen Ruhetag pro Woche ein. Ruhetag heisst aber nicht «gar nichts tun», sondern aktiv sein und Velofahren, mit einer Pulsfrequenz von 120. Der Körper muss sich erholen, das ist auch wichtig für den weiteren Trainingsaufbau.

Während des Rennens sind fixe Schlafmomente von rund 45 Minuten definiert, da erholt man sich gut. Weiter ergeben sich während des Rennens wiederkehrende „Rollphasen“, die mit tieferer Pace gefahren werden und somit nicht im roten Bereich liegen. Der Körper erholt sich dabei. Und man versucht in diesen Zeitabschnitten, das Laktat aus den Beinen zu bekommen.

Nach der Tortour kommt das Ausfahren: Am Sonntag, also am Folgetag, werde ich wieder aufs Velo hüpfen und genüsslich die paar Kilometer ausfahren.

Mentales Training ist das Non Plus Ultra. Wie hast Du Dich mental vorbereitet? Und wie sieht es mental während des harten Rennens aus?

Ich habe keinen Mentalcoach engagiert. Grenzen definiert man selbst im Kopf! Verschiedene Bücher zum Thema haben mir sehr geholfen. Das Routebook ist zurzeit meine Bettlektüre, und es macht mir Freude, darin zu lesen und mich dadurch zu fokussieren. Ich bin Profi im Fokussieren und lebe in der Phase vor dem Rennen in meiner eigenen Welt. Ich kann mich sehr gut auf einen Punkt konzentrieren und schaffe mir dadurch einen mentalen Mantel.

Mein Fokus liegt immer auf dem einzelnen Abschnitt, das heisst, Time Station xy ist im Kopf und als Ziel zu avisieren. Alles andere blende ich aus. Ich will auch nichts von Zwischenzeiten und Ranglisten hören, das bringt mich nur aus dem Konzept. Mit anderen Worten: Ich konzentriere mich immer nur auf die einzelnen Etappen und nicht auf die Gesamtstrecke, denn das würde mich demotivieren.

Physische und psychische Stärke sollten im Einklang sein. Was unternimmst Du, damit diese Balance besteht?

Das ist recht schwierig zu steuern, im Rennen gleicht es sich automatisch aus. Selbstverständlich treten zwischendurch körperliche wie auch psychische Krisen, vor allem Müdigkeit, auf. Aber ich fokussiere auf das, was kommt: nach dem Berg flache Strecken, die Abfahrt usw. Ich kenne die Strecke natürlich. So präsentieren sich positive Bilder, die mich dann wieder motivieren.

Das Ziel immer vor Augen zu haben, ist sehr hilfreich. Das treibt einen voran!

Zum Live Tracking der Tortour Switzerland 

Tortour Switzerland 2017: Die Website zum Rennen mit allen spannenden Informationen

Das gesamte Team von netrics wünscht Pascal Hayoz: Go for it! Mach das Rennen. Wir feuern dich an und teilen in Gedanken die Strapazen mit dir!